Aus dem Hänger: Auf dem Hocker mit Wolfgang Krenn

Quelle/Foto: KältenKlub

Und wie bist Du in die Kälte gekommen, Wolfgang Krenn?

Auf dem Hocker mit…➔ … einer bekannten Person aus der Branche. Sie beschreibt ihren Lebensweg von der Schule bis heute. Kältischer Klatsch & Tratsch aus dem PINK-Anhänger. Denn immer wieder stellt sich in vielen Gesprächen die Frage „Und wie bist Du in die Kälte gekommen?“.

Die Kälten zu Besuch bei Roller © RollerDie Kälten zu Besuch bei Roller © RollerFür mich als drittes von drei Kindern einer Stuckateur – Familie, in der die älteren zwei Kinder die Ergreifung des Gipser-Berufs bereits abgelehnt hatten, war der berufliche Werdegang „des Kleinsten“ eigentlich schon beschlossene Sache. Der muss das mal lernen und dann den Betrieb übernehmen.

Die Motivation die „Blätter zur Berufskunde 1984“ durchzuarbeiten, um eine andere Möglichkeit für mich zu finden und so den ungewollten Beruf nicht übergestülpt zu bekommen, war dementsprechend hoch. Ich wusste zwar noch nicht was ich mal machen wollte, aber dafür wusste ich wenigstens was ich nicht wollte. Vom Interesse her vielleicht KFZ-Mechaniker oder Heizungsbauer? Gibt es noch was anderes? Was steht da auf der Rückseite des Heizungsmanns? Genau das Gegenteil – Kälteanlagenbauer. Noch nie gehört, liest sich aber sehr interessant. Dann der Akt der Offenbarung, das Coming-out: Das will ich lernen.

„Was soll das sein: Kälteanlagenbauer?“ Zugegebenermaßen war der Beruf im Jahr 1984 nicht besonders bekannt. „Wenn Du das lernen willst, dann mach erstmal ein Praktikum in den Ferien – wenn Du überhaupt einen Betrieb findest.“ In den „Gelben Seiten“ gab es dann doch ein paar wenige und flugs die in Frage kommenden Fachbetriebe abtelefoniert – für einen 15-jährigen Neuntklässler auch nicht ganz so einfach – fand sich jemand. Wie gesagt die Motivation war hoch.

Zum Glück traf ich so auf einen ganz frisch ausgelernten Kälte-Meister der Interesse hatte einen „Stift“ einzustellen und als ersten Auszubildenden in seinem Zwei-Mann-Betrieb die 3,5 Jahre lange Berufsausbildung durchlaufen zu lassen.

Als ich dann meinen künftigen Meister und Ausbilder kennenlernte war schnell klar – der Mann will Dir alles was er selbst je gelernt hat zeigen, erklären und verständlich machen. Legendär die Vorführung mit der Kältemittelflasche am ersten Praktikumstag. „ Komm, ich zeig Dir jetzt mal, um was es im Grunde geht.“ Die Entnahme von gasförmigem Kältemittel hatte eine unspektakuläre Temperaturanzeige am Messgerät zur Folge: +20°C. Aber mit der Flasche auf dem Kopf und flüssigem Kältemittel und -35°C auf der Anzeige war mein Interesse geweckt: Das wollte ich machen! Es kam zum Berufs-Ausbildungsvertrag.

Lang, lang ist‘s her. Man beachte die gefühlt 50 kg schweren Monitore dieser Zeit. © RollerLang, lang ist‘s her. Man beachte die gefühlt 50 kg schweren Monitore dieser Zeit. © RollerAuf der Berufsschule zum ersten Blockunterricht angekommen, merkte ich, dass das ganze unnötige Zeug – Mathe, Physik, Chemie – durch das ich mich auf der Realschule immer gequält hatte, auf einmal einen Sinn machte und man das auch einsetzen konnte. Die Freude am (schulischen) Lernen wurde so geweckt und auch Erfolg im Notenspiegel stellte sich ein. Das legitimierte dann innerfamiliär auch die bis dahin immer in Frage gestellte Berufsentscheidung und darüber hinaus wurde beim näher kennenlernen des Berufs erkannt, dass es sich dabei um ein überaus interessantes Tätigkeitsfeld handelt, das auch sicher eine Zukunft hat.

Am Tag der Gesellenprüfung fällte ich für mich den Entschluss, auf jeden Fall den Kältetechniker machen zu wollen. Dazu mussten aber zunächst die Gesellenjahre absolviert werden. Um auch mal eine andere Perspektive des Berufs kennenzulernen, wechselte ich zu einem Anbieter und Produzenten für mobile Kältesysteme. Das war auch insofern sinnvoll, um mich aus der verklärten Betrachtung als Azubi im Ausbildungsbetrieb zu lösen und als vollwertiger Geselle wahrgenommen zu werden. In der Fertigung kamen neue, für mich interessante Aufgaben auf mich zu. Anfangs vom Gedanken an festere Arbeitszeiten getragen, stellte ich aber fest, dass gute Leute damals auch schon in der Kälte so gefragt waren, dass es ihnen nicht ausreicht die Fülle aller für sie vorgesehenen Arbeiten in einem normalen Acht-Stunden-Tag zu erledigen, sondern dass auch dort zahlreiche Überstunden anfielen. Sogar mehr denn je, aber wie gesagt ich hatte das Ziel Techniker vor Augen, und das mit einer Ausbildung an der damals noch privaten (sehr teuren) Bundesfachschule, für die ich sparen musste. Dann war auch noch Vater Staat der Meinung, dass ich mich ein Jahr an der Verteidigung unseres freiheitlichen, demokratischen Systems beteiligen sollte. Wie das jedoch als Ordonanz (Bedienung) abkommandiert ins Offiziers-Casino gehen soll, erschloss sich mir nie. Aber trotzdem war es ein Jahr in dem man den Inhalt des Wortes Kameradschaft für sich mit Inhalt füllen konnte und ich nicht missen möchte. Ich bekam in dieser etwas speziellen Militär-Gaststätte auch die Möglichkeit, Bedien-Eigenheiten und krasse Fehler auf der Betreiberseite und des Küchenpersonals zu beobachten. Verweigern und Zivildienst kam für mich sowieso überhaupt nicht in Betracht, aber nur, weil mich das bei einer Dauer von anderthalb Jahren mit der Technikerschule wieder ein Jahr zurückgeworfen hätte.

Irgendwann war es dann aber soweit und die Weiterbildung auf die ich hingearbeitet hatte stand an. Eine gute Zeit in Maintal, ein toller Klassenverbund. Mit meinem Mitbewohner in unserer Studenten-Bude lernte ich gemeinsam zu lernen, auch auf Klausuren, was uns zusammen gut weiterbrachte.

Nach erfolgreichem Abschluss an der Bundesfachschule war es 1994 allerdings auch für Techniker nicht ganz einfach eine Arbeit zu finden. Ich bewarb mich in der Schweiz und konnte mich bei einem Kältegroßhändler in Basel über den ersten Jung-Techniker Job freuen. Im Großhandel lernt man schnell umfassend alle Anlagenbauteile kennen. Und wir hatten eine kleine Fertigung für spezielle Aggregate, die meine Aufmerksamkeit besonders weckten. Da meine Freundin in der Region dort aber keinen Job als Informatikerin finden konnte, sah ich mich gezwungen, mich wieder in der Heimat nach einer Beschäftigung umzusehen und wurde bei einem Anbieter für Spezial-Kaltwassersätzen fündig. Im Verkauf. Man wurde mit teilweise sehr exotischen Anfragen konfrontiert, für die die Hersteller von Stangenware nichts im Angebot hatten.

© Roller© RollerAls ich 1997 die Anzeige für eine Stelle im Verkauf von Verdampfern, Luftkühlern und Wärmetauschern bei der Walter Roller GmbH in der Zeitung sah wusste ich, dass ein Engagement bei einem Komponenten-Hersteller für mich der richtige Schritt ist. Als Sachbearbeiter eingestellt, ging ich daran in der Abendschule den Technischen Betriebswirt bei der IHK zu machen, weil ich schon seit längerem der Meinung war, dass das Ökonomische bei all der technischen Ausbildung etwas zu kurz gekommen war, insbesondere für einen Techniker der im Verkauf arbeitet. Es folgte das Angebot bei Roller die Leitung des Inlandverkaufs zu übernehmen und später als Prokurist in die erweiterte Geschäftsleitung aufzusteigen. Als 2018 ein Geschäftsführer in den Ruhestand ging, fragte mich der geschäftsführende Geschäftsführer Joachim Reule, ob wir künftig zusammen die Geschicke der Firma Roller lenken. Das bejahte ich.

Es gibt die Theorie, dass vom schulisch erlernten im Allgemeinen lediglich ca. 20 % im Berufsleben genutzt werden. Bei einem doch recht spezialisierten Beruf wie dem Kälteanlagenbauer, heute Kältemechatroniker, finde ich ist das nicht so. Der Anteil ist um einiges höher und es lohnt sich also umso mehr, die Inhalte zu verinnerlichen

Wenn man so auf eine fundierte Berufsausbildung zurückgreifen kann, in der man die Basics „von der Picke auf“ gelernt hat, ist das im Berufsleben von höchstem Wert, denn man kann in allen Lagen auf dieses Wissen zurückgreifen, mitreden und im besten Fall beraten und so eine gute Lösung erarbeiten.                   Wolfgang Krenn

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