Aus dem Hänger: Berufswerbung

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Erster Schultag von PINK

Praxis aus dem Hänger… ➔ … Nachdem die Schulen vielerorts wieder von externen Personen besucht werden dürfen, haben die Firmen Roller und Kratschmayer zusammen mit der KK-Redaktion und dem PINK-Nachwuchsanhänger im Februar zum ersten Mal im Rahmen eines Firmentages eine Schule besucht, um den Beruf des Mechatronikers für Kältetechnik vorzustellen und Nachwuchs zu generieren.

Der PINK-Nachwuchsanhänge an seinem ersten Schultag. Bild: KältenKlubDer PINK-Nachwuchsanhänge an seinem ersten Schultag. Bild: KältenKlubDie Glemstalschule in Schwieberdingen ist eine Gemeinschaftsschule. Das bedeutet, dass jedes Kind den schulischen Bildungsweg gehen soll, der seinen Möglichkeiten am besten gerecht wird. Erst nach der 8. Klasse müssen sich die Schüler entscheiden, welchen Weg sie einschlagen. Es werden drei Niveaustufen angeboten. Sie führen zum Hauptschulabschluss, Realschulabschluss sowie in neun Jahren zum Abitur. Rund 450 Schüler werden auf die Zukunft vorbereitet. Für die älteren Schüler bietet die Schule eine hausinterne Berufsberatung seitens der Bundesagentur für Arbeit an. Zudem werden Berufsinformationstage durchgeführt, an denen diverse Unternehmen die Berufe verschiedener Branchen vorstellen.

Wir dürfen am ersten Firmentag der Schule „nach Corona“ teilnehmen. Wir, das sind Roller-Geschäftsführer Wolfgang Krenn mit zwei weiteren Kollegen als Vertreter der Komponentenhersteller, Kratschmayer-Geselle Daniel Lödel, ebenfalls mit Verstärkung seitens der Fachbetriebe, sowie wir, Oliver Barner und Dirk Rehfeld von der KK-Redaktion. Natürlich sind wir nicht alleine an Bord des Firmentages. Unsere Wettbewerber sind Kaufmänner, Industriemechaniker, Lacklaboranten, Pflegekräfte. Insgesamt sind es neun Unternehmen an diesem Tag. Fünf Stationen müssen die Schüler auswählen. Wir haben den kleinen Vorteil, dass wir relativ firmenneutral agieren und uns mehr auf den eigentlichen Beruf konzentrieren. Klar, es ist nicht gänzlich neu­tral. Aber wir erscheinen zumindest nicht als eine spezielle Firma, die für sich einen Azubi sucht, sondern als Branchenvertreter.

Aufgeteilt in zwei Teile

Den interessierten Schülern wird im Anhänger die Technik live gezeigt. Bild: KältenKlubDen interessierten Schülern wird im Anhänger die Technik live gezeigt. Bild: KältenKlubUm Punkt 8.00 Uhr erscheinen wir mit dem PINK-Anhänger auf dem Schulhof und bauen auf. Es geht um 9.30 Uhr los. Unsere „Kunden“ bestehen aus vier Gruppen mit jeweils rund 15 Schülern. Zuerst geht es in einen Klassenraum. Dort präsentiert Roller-Mann Kevin Prenker mit einer Powerpoint-Präsentation das Berufsfeld. Er beschreibt in kurzen Worten die PINK-Initiative und die überall vorhandene aber unsichtbare Kältetechnik. Die Schüler erfahren, dass Kälte in Supermärkten, Restaurants, Metzgereien, Bäckereien, in Logistikzentren und nahezu in allen weiteren Bereichen zu finden ist. Er macht den Schülern klar, dass es ohne Kältetechnik keine Daten-Center, keine Lebensmittel in notwendigen Mengen, keinen Corona-Impfstoff usw. gäbe. Als Beispiel nimmt er den Kühlprozess der Milch und beschreibt den Ablauf von der Kuh bis zum Verbraucher. Das ist anschaulich und begreifbar, denn die Schüler kennen: Milch. Kevin erklärt auch, warum eigentlich gekühlt werden muss und thematisiert die Zellteilung diverser Bakterien, die dazu führt, dass Lebensmittel sehr viel schneller verderben, wenn sie ungekühlt sind. Technisch wird der Vortrag, als er den Kältekreislauf mit anschaulichem Bildmaterial zeigt. Und am Vortragsende wird erklärt, was ein Mechatroniker für Kältetechnik in seinem Alltag alles so macht. Das ist der eigentlich wichtige Teil für die Schüler.

Ab auf den Hänger

Zuerst gab es einen aufklärenden Vortrag, dann geht es in den Anhänger. Bild: KältenKlubZuerst gab es einen aufklärenden Vortrag, dann geht es in den Anhänger. Bild: KältenKlubOli und ich stehen im Hänger und sehen die erste Gruppe auf uns zukommen. Die Rollers und Kratschmayers sind ebenfalls im Gepäck. Die Spannung steigt und wir verstecken alles, was nicht festgeschraubt ist. Sicher ist sicher. Wie wird es werden? Hören die überhaupt zu oder wollen die nur die Gummibärchen, von denen Roller 18 kg mitgebracht hat? Wir wissen nur, dass wir diese Aktion jetzt viermal machen werden.

Mit einem lauten „Moin Moin“ werden sie begrüßt. Jaja, die Norddeutschen Leser werden jetzt sagen, dass ein „Moin“ reicht. Wir sind gesprächig. Die Schüler ziehen einen fast perfekten Halbkreis und wir beginnen mit der Live-Vorstellung der Technik. Auf der linken Seite des Anhängers ist die Kälteanlage installiert. Sukzessive kommen die Schüler in den Hänger und schauen sich die Anlage an, legen die Hand auf den Verdichter und merken, wo es warm und wo es kalt wird. Der Kratschmayer-Daniel erklärt am „lebenden Objekt“ noch einmal kurz den Kreislauf und dass es eigentlich keine Kälte, sondern lediglich weniger Wärme gibt. Wir sind Wärmeentzieher. Viel Zeit haben wir nicht, sodass recht flott die Seiten gewechselt werden und sie rechts im Hänger vor der wärmenden Klimaanlage stehen. Sie merken die Temperaturunterschiede und dass wir irgendwas mit Temperaturen machen. Wir sind sicher, dass den Schülern klar wird, dass sie noch nirgends bewusst Kältetechnik wahrgenommen haben. Umso mehr wird ihnen nun klar, dass diese versteckte Technik auch bei ihnen allgegenwärtig ist und sie völlig unbewusst die Technik ständig nutzen, die Wärme verschiebt.

Die Schüler werden mit ausreichend Informationsmaterial versorgt. Bild: KältenKlubDie Schüler werden mit ausreichend Informationsmaterial versorgt. Bild: KältenKlubRechts außen am Hänger dreht Kevin dann die CO2-Flasche auf und visualisiert einen Temperatursturz von rund 10°C auf −70°C. Wolfgang zeigt den Schülern das Ergebnis am Temperaturmessgerät und erklärt, was gerade passiert ist. Das macht Eindruck. Die Gummibärchen kauende Bande darf noch etwas mehr erwarten. Wir haben am Anhänger den Fernseher aufgebaut und zeigen u. a. ein Stückchen Video von einem Kälten-Treff. Sie erfahren von der großen Community der Kälten und dass sie nicht alleine sind, andere Azubis kennenlernen und sich gegenseitig unterstützen können. Und dann bekommen die Schüler noch Informationsflyer in die Hand. Darunter eine Verordnung über die Berufsausbildung mit Rahmenlehrplan vom BIV, eine detaillierte Beschreibung des Berufsbildes von der Bundesfachschule resp. der Landesinnung und einen KältenKlub-Flyer. Der macht Sinn, weil dort auch die uns bekannten ausbildenden Fachbetriebe in einer Google-Karte hinterlegt sind. So können sie darauf zugreifen und den einen oder anderen Betrieb in ihrer Nähe für ein Praktikum kontaktieren. Wir denken, sie nun gut versorgt zu haben und verabschieden sie wieder. Wir wissen nicht genau, wie die Schüler diese Aktion empfunden haben, ob wir Interesse wecken konnten oder ob die jungen Menschen noch verwirrter sind als vorher. Uns wird klar, dass es auch Neuland für uns ist und wir selbst noch einiges lernen und optimieren müssen.

Was haben wir selbst daraus gelernt

Die Truppengemeinschaft Roller-Kratschmayer-KK-Redaktion. Bild: KältenKlub Die Truppengemeinschaft Roller-Kratschmayer-KK-Redaktion. Bild: KältenKlub Zunächst muss man akzeptieren und verstehen, dass nicht alle Schüler gleichermaßen interessiert sind und dass wir jetzt nicht alle Schüler komplett für diesen Beruf begeistern werden. Man muss begreifen, dass die Schüler, wenn sie einen demotivierten und stillen Eindruck machen, nicht gleichzeitig uninteressiert sind. Sie sind cool, kleine Gangster, die nicht als Streber hervortreten wollen. Klar, es gibt Ausnahmen, die selbstbewusst klare Kante zeigen und sich in Einzelgesprächen detaillierter informieren. Es ist eine tolle und neue Erfahrung, wie junge Menschen reagieren. Vom stillen Teilhaber über den offensichtlichen „Scheiß-Egal-Typen“ bis hin zu Schülern, die sich wirklich Gedanken machen, sich auf ihre Zukunft aktiv vorbereiten und dankbar für Input sind.

Wir sind sehr zufrieden mit der Aktion. Es waren einige dabei, die sich interessieren und Kontakt für einen späteren Austausch gefordert haben. Ja, es ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber wenn wir gar nichts machen, bewegt sich nichts. Und wir von der KK-Redaktion werden uns weiterhin bewegen. 

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